Wohin gehst du, Qualitätsjournalismus?

Eigentlich haben sie diese Diskussion längst hinter sich gelassen. Dennoch klappten die Chefredakteure der großen Medienhäuser am vergangenen Mittwoch ihren Laptop zu und folgten der Einladung der Verlagsgruppe Handelsblatt zu den 5.Düsseldorfer Terrassengesprächen mit dem Titel „ Was wird aus dem Qualitätsjournalismus?“. Dort sollten sie im lockeren Chefredaktions-Plausch den vielen Medienmachern wie Agenturen, Autoren und anderen Verlagshäusern verraten, wann sich Journalismus auf Cashflow reimt.

Pünktlich um 19.00 Uhr startete denn auch die Diskussionsrunde bestehend aus den führenden redaktionellen Köpfen der großen Wirtschaftsmedien: Giovanni di Lorenzo, Chefredakteur der Wochenzeitung „DIE ZEIT“, Prof. Dr. Miriam Meckel, frischgebackene Chefredakteurin der Wirtschaftswoche sowie Sven Afhüppe, Chefredakteur des Handelsblattes. Moderiert wurde das Podium von der charmanten ZDF-Journalistin und Moderatorin Dunja Hayali.

„Wir haben die besten Medien der Welt“, so lautete die erste steile These, mit der di Lorenzo die Diskussion anheizte.  Danach stieg die Runde gleich in die Definition ein, was denn Qualitätsjournalismus ausmache. Unabhängigkeit, Gründlichkeit, Vorgänge hinterfragen, wissen wir aber alles längst, oder? Und erwarten wir natürlich erst recht von diesen Chefs dort auf der Bühne.

Aber warum ist der Qualitätsjournalismus in dieser Schieflage? Giovanni di Lorenzo monierte einige Fehler der eigenen Zunft, zum Beispiel: „Zu viele Medien haben partizipiert an Hetzjagden auf Menschen.“ Und uns fielen tatsächlich jede Menge Wirtschaftsgrößen ein, auf denen Medien solange herumgetrampelt sind, bis sie ihr Amt niederlegten oder gar ganz ins Ausland verschwanden. Danach brachte er noch ein weiteres Beispiel, bei dem ein Kollege aus dem Online-Ressort zum Opfer der Hetze wurde.

Qualitätsjournalismus

Die Frage aber ist, was tun dagegen? Wie sieht der Qualitätsjournalismus unter solchen „Miss-Ständen“ aus? Ein Lichtblick in diesem Zusammenhang kam von Giovanni di Lorenzo: „Bilden wir eigentlich das Lebensumfeld unserer Leser genügend ab?“ Ja genau, das sollte bitteschön diskutiert werden.

Damit hätte sich die Anschlussfrage von Frau Hayali dann auch schon zum Teil selbst beantwortet: “Was richten die Medien gegen den Sparzwang aus?” Wiederum ehrliche Worte vom Zeit-Chefredakteur hierzu: „Wir dürfen uns nicht in die Tasche lügen. Es gibt noch kein Geschäftsmodell jenseits von Print, um unsere Angebote zu refinanzieren.“ Die übrigen Teilnehmer beriefen sich auf Innovation durch „Digitalpass“, Abonnements oder auch Kooperationen mit Bendle.

Richtig neu war das alles nicht. Ich hatten den Eindruck, dass die Teilnehmer noch immer stark vom Erfolg des Print-Geschäftsmodell ausgehen. Die wirklich wichtigen Fragen, zum Beispiel wie und von wem Qualitätsjournalismus heute konsumiert wird und wie Qualitätsmedien die Deutungshoheit über ihre Themen auch multimedial behalten können oder wie ihre Geschichten sich dann ausgestalten, wurden nicht adressiert. Miriam Meckel sprach zwar von einem Überzeugungsprozess, den man leisten müsse. Dafür muss man aber den Leser kennen.

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Silvia Hänig
Silvia Hänig Inhaberin der Kommunikationsberatung iKOM in München, bekennender Communication Strategist, Coffee-Junkie und Fan vielfältiger Medienwahrheiten.
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Posted by Silvia Hänig

Silvia Hänig Inhaberin der Kommunikationsberatung iKOM in München, bekennender Communication Strategist, Coffee-Junkie und Fan vielfältiger Medienwahrheiten.

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