Digitalkonferenz DLD 2017: Grenzenlose Technologie – aber wer übernimmt Verantwortung?

Das vorletzte Wochenende hüllte nicht nur ganz München in Schnee, sondern tauchte auch alle Teilnehmer der von Hubert Burda Medien ausgerichteten Digitalkonferenz DLD in ein buntes technologisches Gestöber. Ich nahm die kompletten zwei Tage daran teil, um mich über „the next big thing“ zu informieren und auf visionär denkende Menschen zu treffen.

Die Organisatoren Steffi Czerny und Dominik Wichmann machten sich unter dem Motto „What´s the plan?“ gemeinsam mit allen Speakern also auf die Suche nach einem Plan, an dem man sich orientieren könnte. Von den meisten wurde diese Frage mit der neuesten Technologie beantwortet, die man möglichst schnell einführen sollte, um ja nicht den Anschluss zu verlieren. Lion Ror, der neue Star beim Taxivermittler Uber, zum Beispiel. Er stellte voller Stolz die ersten Volvo-LKWs vor, die schon ganz fahrerlos zwischen San Francisco und Los Angeles zu Rush-Hour Zeiten hin und her fahren. Oder auch die Firma Solar Impulse, die Drohnen in den Himmel schickt, um die schönsten Sonnenuntergänge festzuhalten. Nicht zu vergessen der Paketroboter von Starship Technologies, der unseren liebgewonnenen Postboten vielleicht einmal arbeitslos macht.

Nachdenkliche Stimmen auf dem DLD

Neben dem großen technischen Schaulaufen der Millionäre aus dem Silicon Valley drangen allerdings dieses Mal auch nachdenkliche Töne durch. Denn: Bei nahezu jedem international besetzten Panel zur künstlichen Intelligenz, zum Autonomen Fahren, zu Chatbots oder auch zu Quantum-Computing gab es sehr deutliche Stimmen prominenter Branchenrepräsentanten, die auf die Kehrseite der schönen neuen technologischen Welt hinwiesen. Und zwar ging es ihnen darum, dass das Publikum ein Bewusstsein für die Risiken entwickelt, die mit der Nutzung eines jeden digitalen Spielzeugs – von App bis Roboter – einhergehen.

Auch wenn Facebook, Apple, Google & Co. betonen, dass die Nutzung ihrer Dienste das Leben doch so viel angenehmer macht. Es gibt sie, die Schattenseiten. Und je mehr man sich in die Nutzung bzw. Abhängigkeit der Technologien oder digitalen Services begibt, desto auffälliger scheinen ihre Begleiterscheinungen. Daher wurde auch an die Branche appelliert, für mehr Transparenz und Einordnung gegenüber dem Kunden zu sorgen, damit dieser versteht, was mit seinen Daten, die viel über sein Nutzungsverhalten aussagen, geschieht. Das kritische Hinterfragen des technisch Machbaren wurde so auf den Bühnen auf einmal populär.

Ein Beispiel, das der Vorstand von BMW brachte, soll das verdeutlichen. Während ein Hersteller aus entwicklungstechnischen Gründen fragt: „Werden wir in den nächsten Jahren noch ein Lenkrad im Auto anbieten oder nicht?“,  muss sich der Fahrer fragen: „Will ich wirklich ein Auto fahren, bei dem ich nicht mehr selbst steuern und damit bestimmen kann?“ Das heißt, wollen die Menschen wirklich zugunsten einer fortschrittlichen und coolen Technologie die Kontrolle darüber abgeben, selbst über Dinge zu entscheiden? Und stellen Kunden diese Frage überhaupt noch, da sie schon sehr die Einfachheit und Bequemlichkeit schätzen gelernt haben, die ihnen die Technologien bescheren? Ian Goldin, ehemaliger Chef-Berater von Nelson Mandela und Oxford Professor, sagte dazu nur: „Wir müssen stärkere Einschränkungen der individuellen Freiheit hinnehmen.“

Mehrwert und Transparenz bei der Digitalisierung

Nun ja, mit der Klärung dieses schwierigen Sachverhalts haben Digital-Gurus aus den USA schon ganze Bücher gefüllt. Denn: es gibt kein Patentrezept. Allerdings habe ich dann doch eine Art Lösungskorridor in den Diskussionen erkennen können.

Einig war man sich auf der DLD darin, den Kunden mehr Transparenz und Verständnis darüber zu geben, was mit ihren Nutzungsdaten passiert. Mit diesem Wissen würde sie dann automatisch besser entscheiden können, auf welchen Service sie sich einlassen möchten und auf welchen eben nicht. Mehr noch: blicken sie erst einmal besser bei der Verwendung der Daten und Services durch, erkennen sie leichter den Mehrwert, zum Beispiel von personalisierten Angeboten. Auf dieser Basis können sie bewusst entscheiden, ob dieser Mehrwert ausreicht um noch mehr Daten von sich preiszugeben. Und wer übernimmt die Verantwortung dafür, dass diese Balance zwischen Technologieanbietern und deren Kunden so wie beschrieben funktioniert?

Es gab einige Firmenvertreter, z.B. von der deutschen Telekom, McKinsey oder BMW, die hier offen und hoffnungsvoll Stellung bezogen. Negativbeispiele stellten laut dem US-Vordenker Scott Galloway ausgerechnet die ganz Großen dar:

“Facebook und Google übernehmen keine Verantwortung für die Inhalte ihrer Seiten, denn sie sagen, sie seien doch nur eine Plattform.“  Ähnlich drückte sich Microsoft-Boss Satya Nadella aus: „Wir sind und bleiben eine Tool-Company“.

Differenzierte Kommunikation im Technologiebereich

OK, die Frage, wer sich künftig wie in welchem Ausmaß darum kümmern muss, dass Kunden immer genau wissen, was sie tun, wenn sie sich mit einer neuen Technologie beschäftigen, kann auch die geballte Tech-Power in zwei Tagen auf der DLD Konferenz nicht klären.

Was für mich allerdings daraus das Take-Away für die Unternehmenskommunikation war: die Euphorie über Ankündigungen und Einführungen neuer cooler Gadgets, Chatbots als Kollegen oder unbemannte Flugobjekte, darf uns nichtzu unkritisch machen. In unserer Kommunikationsleistung müssen wir immer mehr berücksichtigen, bei den „tech communications“ gleichzeitig mehr Facetten in der Lebens- und Arbeitswelt des Kunden zu adressieren. Das wären dann Antworten auf die Fragen: Wie sicher sind meine Daten? Verliere ich durch diese Technologie meinen Arbeitsplatz? Will ich ein Auto ohne Lenkrad? Es gibt viel zu tun. Also  auf in die Welt der differenzierten Kommunikation!

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Silvia Hänig
Silvia Hänig Inhaberin der Kommunikationsberatung iKOM in München, bekennender Communication Strategist, Coffee-Junkie und Fan vielfältiger Medienwahrheiten.
Silvia Hänig

Posted by Silvia Hänig

Silvia Hänig Inhaberin der Kommunikationsberatung iKOM in München, bekennender Communication Strategist, Coffee-Junkie und Fan vielfältiger Medienwahrheiten.

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