Susanne Sperber und Birgit Heinold über 25 Jahre Text100 Deutschland

25 Jahre Text100, 25 Jahre PR: Anlässlich unseres Jubiläumsjahrs hat Managing Director Birgit Heinold ihre Vorgängerin und gleichzeitig zweite Mitarbeiterin des Büros in München interviewt. Ein Rückblick in die internetlose PR-Agentur mit Kontakten in die ganze Welt.

25 Jahre Text100, 25 Jahre PR: Anlässlich unseres Jubiläumsjahrs hat Managing Director Birgit Heinold ihre Vorgängerin und gleichzeitig zweite Mitarbeiterin des Büros in München interviewt. Ein Rückblick in die internetlose PR-Agentur mit Kontakten in die ganze Welt.

Birgit Heinold: Die Legende sagt: Mark Adams, einer der beiden Gründer von Text100, wollte gerne nahe der Bayerischen Alpen leben. Deshalb war das Büro von Text100 Deutschland in München das dritte seiner Art – nach London und Paris.

Susanne Sperber: Ehrlich gesagt, war die Standortwahl eher beeinflusst von der Tatsache, dass mit Intel und Microsoft zwei interessante potentielle Kunden in München waren. Außerdem war München das Zentrum der IT-Presse und einer Liste von IT-Unternehmen.

 

Birgit: Wie kam es dazu, dass Du als zweite Mitarbeiterin von Mark Adams bei Text100 Deutschland angefangen hast? PR war vor 25 Jahren noch nicht wirklich bekannt, geschweige denn hip, oder?

Susanne: Ich bin zufällig in die PR geschlittert. Ich wollte Journalistin werden, bin dann aber in einer PR-Agentur gelandet. Meine ersten Kunden waren Ashton Tate und Logitech. Mark suchte nach Mitarbeitern für das neue Münchner Büro und fragte alle möglichen Leute in seinem Netzwerk. So stieß er auf meinen Namen. Wir hatten zwei Gespräche und als ich den Vertrag für die Ortnitstraße in München unterschrieb [Anm. d. Red.: ein Haus mit Garten in Bogenhausen], gab es nicht mal Möbel – nur ein Telefon auf der Fensterbank, keine Computer. Ich war mir an dem Punkt nicht ganz sicher, ob es Text100 Deutschland überhaupt gab. 1993 konnte man nicht eben mal die Unternehmenswebseiten im Internet googlen.

 

 

Kuhmuster-Cube-Logo des ehemaligen Text100-Deutschland-Kunden Gateway

Passend zum Logo: Für Gateway organisierte Text100 Deutschland showerfahrene Kühe

 

Birgit: Was waren die ersten Projekte? Was war Dein Highlight?

Susanne: Mein erster Kunde war Harvard Graphics [Anm. d. Red.: eines der ersten „Desktop Business Application“-Programme zur Gestaltung von Präsentationen]. Das Team wuchs schnell, wir waren damals eine der ersten IT-PR-Agenturen. Intel wurde Kunde. Highlights waren die Pitches und Medienevents. Wir haben Gateway 2000 in Deutschland gelauncht sowie die erste PlayStation, den Discovery Channel und den Disney Channel. Das waren Events mit teils mehreren Hundert Gästen. Für Gateway haben wir einen Saloon nachgebaut, das Team in Western-Outfits gesteckt. Für Disney sollten wir Neuschwanstein mieten – allerdings hatte das Schloss nicht ausreichend große Generatoren, um genug Strom für einen Event zu erzeugen. Der Pitch um den globalen IBM-Account 2001 war eine unglaubliche Team-Leistung. Wir haben mit etwa 20 Leuten Tag und Nacht in einem New Yorker Loft an der Präsentation gearbeitet, die am Ende beinahe Show-Format hatte.

 

Birgit: Erinnerst Du Dich an Herausforderungen, die Ihr damals als Gründungsteam hattet – und falls ja, wie habt Ihr sie gelöst?

Susanne: Wir mussten täglich kreativ sein, weil wir dauernd irgendwas zum ersten Mal machten. Zum Beispiel wollte Gateway lebende Kühe für einen Medienevent haben. Wir haben dann einen Bauern mit „showerfahrenen Kühen“ gefunden. Für den Pitch um die Sony PlayStation haben wir eine aus Japan geordert – wir wollten verstehen, wie das Ding funktioniert. Und wir mussten Leute finden, die schnell lernten und sich für Technologie und Public Relations interessierten. Ausgebildete PR-Leute gab es in Deutschland nur bei anderen Agenturen. Als ich 1995 Text100 Deutschland als General Manager von Mark übernahm, gab es wenige Frauen an der Spitze von Agenturen. Ich wurde deswegen zu Podiumsdiskussionen und Talkshows eingeladen.

 

Birgit: Wie hast Du damals Deinen Freunden und der Familie erklärt, was Text100 macht?

Susanne: Na ja, das Wort PR war neu – aber nicht die Tatsache, dass man Journalisten über neue Produkte oder Unternehmen informiert. Wenn jemand mehr über meinen Job wissen wollte, habe ich nach einer Zeitung gegriffen und am Beispiel erklärt, wie es da reinkommt. Meine Oma hat mich irgendwann gefragt, ob das ein „anständiger Beruf“ sei.

 

Birgit: Gibt es den einen Text100-Moment, an den Du immer wieder gerne zurückdenkst?

Susanne: Es gibt viele solcher Text100-Momente. Und alle sind mit den außergewöhnlichen Menschen verbunden. In meinen 16 Jahren mit Text100 habe ich viele Freundschaften in der ganzen Welt geschlossen, sie dauern bis heute an. Und die Feten und Events waren immer legendär.

 

Birgit: Spannend war auch, dass Text100 schnell international expandiert ist. Ich erinnere mich an Feiern im Westernstil, als wir unsere Büros in Amerika eröffnet haben oder an unsere Karaoke-Feier zur Eröffnung des Tokio-Büros. Wie hat das internationale Flair Dich und Deine Arbeit geprägt?

Susanne: Ich war mit Text100 viel unterwegs und die Gastfreundschaft der einzelnen Teams war immer umwerfend – von den großen internationalen Treffen ganz zu schweigen. Teilweise war ich auch für andere Büros mitverantwortlich: Italien, Spanien, kurze Zeit auch mal Schweden. Ich fand es spannend, zu sehen, wie groß die Unterschiede der Businesskultur in Ländern sind. Ich hatte das Vergnügen, mit meinem französischen Kollegen für 14 Tage die Rollen zu tauschen. Ohne diese ganze Erfahrung hätte ich möglicherweise den Sprung nach Australien nicht so spontan gewagt.

 

Text100-Deutschland-Alumni Susanne Sperber sitzt an Tisch auf weißem Stuhl

Susanne hat mehr als 20 Jahre Erfahrung als Strategy and Communications Consultant

 

Birgit: Du konntest in unterschiedliche Rollen tätig sein. Diese Chance finde ich super an Text100 – nicht festgefahren zu sein, sondern je nach persönlicher Weiterentwicklung die eigene Rolle mitzugestalten. Von welcher profitierst Du noch heute in Deiner Position als Strategie- und Kommunikationsberaterin?

Susanne: Jede Rolle war eine Herausforderung, mit der ich gewachsen bin. Es war fantastisch, Manager zu haben, die mir das zutrauten. Heute ist es die Summe der Erfahrungen, von der ich profitiere. Die Aufgaben bei Text100 haben mir vor allem gezeigt, dass man manchmal einfach ins kalte Wasser springen und in hektischen Zeiten einen kühlen Kopf bewahren muss.

 

Birgit: Wir „Texties“ haben häufig enge Beziehungen zueinander, auch noch lange nach der Zeit bei Text100. Inwieweit fühlst Du Dich noch mit Text100 Deutschland verbunden?

Susanne: Ich fühle mich immer noch als Teil der Text100-Familie. Hier in Australien habe ich nicht nur die Kollegen von Text100 Sydney getroffen und projektweise mit ihnen gearbeitet, ich war in diesem Jahr sogar Text100-Kunde. Außerdem gibt es ein ganzes Netz von Ex-Text100-Deutschland-Kontakten. Dank Facebook & Co. habe ich hier Ex- Mitarbeiter, -Kollegen und -Kunden getroffen. Und wenn ich das nächste Mal nach Deutschland komme, würde ich zu gerne mal im Münchner Büro vorbeischauen.

 

Birgit: Auf jeden Fall – ich freue mich darauf. Und vielen Dank, Susanne, für das interessante Gespräch über 16.000 Kilometer Luftlinie hinweg!

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